HEIDI FIAL // SOLO E-GITARRE


„Musik ist für mich nicht nur ein Tor zur Welt, sondern auch zu mir selbst. Durch sie kann ich meine Welt vermitteln und der Welt Raum schenken, sich in ihr zu finden. Sie schenkt mir Trost und macht es möglich, Unaussprechliches nach außen zu tragen, ihm zu danken und es loszulassen. Komponieren ist wie Rätsel lösen, wie eine Schatzsuche. Stück für Stück – Note für Note – wird sie ausgegraben, aus einer Sanddüne aus Klang und Stille. Sie war schon da, die Melodie, und nun spielt sie mit mir Verstecken. Sie lässt sich kurz fangen, tanzt mir etwas vor, lacht mich aus und verschwindet wieder um meine Neugierde zu entfachen. Sie will gefunden werden – sie versucht nicht mir zu entwischen, sie fordert mich nur heraus. Sie ist stark, stärker als ich, und genau so verliebt in mich wie ich in sie. Wir haben schon immer zusammen gehört und sie war schon immer da – irgendwo in den Untiefen ruhend. Und jetzt ist sie an der Reihe – egal ob hell, düster, beängstigend, schön, häßlich oder tröstend - ich finde sie, umarme sie und verneige mich vor ihr.“



Die elektrische Gitarre ist ein feinstoffliches Instrument. Tendenziell wird sie jedoch für ihre Kraft in der Lautstärke geliebt. Allzuoft drängt sich das Bild auf von breitbeinigen, langhaarigen Männern, welche durch hohen Pegel, die Intensität der Zerre und/oder eine mannigfaltige Auswahl an bedeutungsschwangeren Effektpedalen die Welt an ihrer lange erübten Virtuosität teilhaben lassen wollen. Das andere Klischeebild sind die aufreizend gekleideten, inszinierten Powerfrauen, die ihrer Form der Emanzipation ein Gesicht zu geben versuchen indem sie zeigen, dass sie die eben genannte Herangehensweise in gleicher Manier und Lautstärke ebenso beherrschen wie die männlichen Kollegen. Die Grundthemen: Protest und Provokation. Alles legitim, aber die E-Gitarre hat doch auch anderes zu bieten.
 
Heidi Fial sieht sich selbst weder der Provokation verpflichtet, noch als Entertainerin, noch als Virtuosin. Viel eher als Herausgeforderte, das Rätsel des Moments zu lösen durch das richtige Anordnen von Ton, Klang und Stille. In diesem Fall mit Hilfe der elektrischen Gitarre.
 
Ein Instrument dessen winziges Signal sich mit Hilfe von elektrischem Strom und glühenden Röhren in ein ausdrucksstarkes, reichhaltiges und vielseitiges Sprachrohr verwandelt. Nicht immer leise, aber im Dienste der Erträglichkeit. Nicht immer schönlich, aber im Dienste der Ästhetik. Nicht immer harmonisch, aber im Dienste des Friedens.