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9.5mm - Ein vergesseneS Schmalfilmformat

1922 stellte Pathé in Paris erstmals ein für den Heimgebrauch konzipiertes Schmalfilmformat vor: den 9.5mm Sicherheitsfilm. Unter dem Titel Le Cinéma chez soi (Das Kino für Zuhause) wurde ein Paket angeboten, das den kleinen Pathé-Baby Handkurbel-Projektor und eine umfangreiche Auswahl an Filmen zum Leihen oder Kaufen beinhaltete. 1923 folgte die dazugehörige Handkurbelkamera in Westentaschenformat. Dieses Erscheinen markiert den Grundstein zum autonomen Filmschaffen - sei es um das Heranwachsen seiner Kinder und das alltägliche Leben festzuhalten oder um als Amateur künstlerisch bzw. dokumentarisch das Bewegtbild als Sprachrohr für eigene Botschaften zu verwenden.

Heidi Fial Still Art Gallery 9.5mm Amateurfilm Archiv
© Heidi Fial / 2022

PATHÉ BABY // DAS ERSTE HEIMKINO

Das Jahr 1922. Unter dem Titel Le Cinéma chez soi  (Das Kino für Zuhause) stellten im Dezember 1922 die Gebrüder Pathé in Paris das erste Heimkino und ein neues Filmformat vor, genannt: Pathé Baby. Der 9,5mm Sicherheitsfilm wurde präsentiert, ein leistbares, handliches, für den Heimgebrauch konzipiertes Schmalfilmformat.

 

Das Pathé Baby Paket beinhaltete vorerst einen handlichen, portablen Projektor und eine umfangreiche Auswahl an Filmen aus der Filmatheque Pathé-Baby zum Leihen oder Kaufen. Zur Auswahl standen Reportagen aus der ganzen Welt, Filmschauen, Lehrfilme, Kinderfilme, oder auch Kurzversionen abendfüllender Spielfilme.

source from Heidi Fial private amateur film archive
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9,5MM // DAS ERSTE PRIVATFILM FORMAT

Das Jahr 1923. Die Nachfrage nach der Möglichkeit, eigene Erinnerungen filmisch festzuhalten („zu kurbeln“), wuchs rasch, so daß bereits im Jahre 1923 die 9,5mm-Kamera Pathé Baby erhältlich war. Eine Handkurbelkamera, gleichwohl billig und zuverlässig, die buchstäblich in die Jackentasche passte, die kinderleicht zu bedienen war und jegliche technische Vorkenntnisse entbehren konnte.


„Es gehört zum guten Ton ein Kurbler zu sein“, und „Fast so einfach wie fotografieren...“ sind die überzeugenden Argumente, die quasi als Werbeeinschaltungen in den Leih- und Kauffilmen aus der Pathé Cinematheque (im Vorspann oder zwischen den Filmen) auf Film gebannt eigenhändig ins Heimkino projeziert werden.

source from Heidi Fial private amateur film archive
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Es war der Beginn einer Ära des analogen Amateurfilms, der Privatfilme und des Heimkinos, die bis in die 90er Jahre dauern sollte. Der 9,5mm Film allerdings schaffte es nicht so weit. Bereits 1923 brachte Kodak den 16mm Schmalfilm auf den Markt, der innerhalb kürzester Zeit ein neuer Standard im Amateurfilm Bereich wurde und aus dem heraus sich auch der 8mm Film entwickelte. Heute ist der 9,5mm Film ein vergessenes Format. Doch die wenigen erhaltenen Filme sind unbezahlbare Schätze, es sind bewegte Zeitdokumente des Familienalltags aus einer längst verblichenen Zeit.


Impressions // 9.5mm Centanary 1922-2022

Multimedia Exhibition at Analogmania X // Timisoara // 2022