Dieser Artikel ist eine wörtliche, unverfälschte Transkription des Originalartikels aus dem Jahre 1905.

Aus heutiger Sicht fragwürdige Ausdrucksweisen und Inhalte, sowie variierende Rechtschreibung sind nicht ausgeschlossen, wurden aber zwecks Authentizität nicht zensiert.


Technik und Mensch im Jahre zweitausend

von Anton Lübke / 1927

Prophezeiungen, gleichviel auf welchem Gebiete, muß man stets mit einer gewissen Skepsis begegnen. Wie es einmal aussehen mag, wie man leben wird, wenn spätere Geschlechter mit anderen Denkweisen, anderen Gewohnheiten und Handlungsmöglichkeiten unsere Nachfolger geworden sind, wissen wir zwar nicht, aber unsere Gegenwart bietet doch manchen Anhalt zu Phantasien, was einmal möglich werden könnte.

Lokomotive, Unterseeboot, Flugzeug, Telephon, Grammophon, Nähmaschine, Kino, Radio bestanden schon lange in der Idee der Menschen, wenn auch nur als Wunsch, sie eines Tages zu verwirklichen, ehe sie nach langen Versuchen und Bemühungen möglich wurden.

Im Jahre 1836 brachte der "Kladderadatsch" ein Bild, auf dem man eine Sängerin sah, die ihre Stimme drahtlos in die Welt sandte. Ein alter Holzschnitt aus dem Jahre 1472 bringt schon eine Abbildung von Tauchbooten. Im gleichen Jahre beschäftigte sich auch ein Erfinder mit der Konstruktion von Windkraftmaschinen, ausnutzbar für Schiffe, und wenn man hört, daß Archimedes schon eine Sonnenkraftmaschine konstruierte und das größte Genie aller Zeiten, der Maler Leonardo da Vinci, eine Dampfmaschine und eine mit Dampf betriebene Kanone in Zeichnungen entwarf, dann wird man staunen über die Männer jener Zeiten, die Ideen faßten, die erst in unserer Zeit verwirklicht werden sollten.

Was in Zukunft möglich sein wird, davon sind die Keime schon heute vorhanden. Wir erlebten, wie die Technik des letzten Jahrhunderts unser Dasein so bedeutsam veränderte, daß unsere Ahnen, wenn sie zurückkommen könnten, wie ratlose Kinder inmitten dieser modernen Zeit stehen würden.

In Zukunft wird die Elektrizität noch mehr als jetzt leisten; vielleicht wird man auch noch andere, heute unerforschte Kräfte kennenlernen, die unseren Nachkommen noch intensivere Energien bieten, als sie bisher aus Kohle, Öl und Wasser gewonnen werden. Alles deutet darauf hin, daß in den kommenden Jahrzehnten die Kohle nicht mehr so weitgehend direkt verbrannt, sondern in anderer Form im Wirtschaftsleben verbraucht wird.Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung. Die großen Wasserkraftwerke, die verschiedenen Erfindungen, Energien aus der Luft, dem Wind, der Wärme des Erdinnern, den Meereswellen, aus Ebbe und Flut, der Sonne durch Sonnenkraftmaschinen, durch künstliche Herstellung von Kohle aus Pflanzen und Holz, durch die Umwertung des Wassers in Autobrennstoff mittels Katalysatoren zu gewinnen, das alles eröffnet ferne Perspektiven für das künftige Wirtschaftsleben. Die verschiedensten Ansätze auf dem Gebiet des Städtebaues, der Straßenanlagen, der Bauweise der Häuser, der Verkehrsregelung der Städte deuten darauf hin, daß in Hundert Jahren vieles durchaus verändert sein wird.

Wie anders wird es einmal sein, wenn Menschen nicht mehr in mühsamer Arbeit die Kohle aus der Erde herauszuholen brauchen, wenn elektrische Maschinen, angetrieben durch die verschiedensten Kräfte, die gefahrvolle Arbeit unnötig machen werden. Das neunzehnte Jahrhundert wurde mit Recht das Zeitalter der Erfindungen genannt, und man konnte glauben, daß es mit all den großen Errungenschaften auf technischem Gebiete zu Ende gekommen sei. Die exakte Wissenschaft arbeitet methodisch und systematisch weiter, um Nutzeffekte und Energien zur bequemeren Handhabung zu gewinnen. Auf allen Gebieten sind Erfindungen und Verbesserungen gemacht worden.

In Zukunft wird sich alles noch mehr verändern durch die Ausnutzung neuer Kraftquellen und Einrichtungen. Die Arbeit der Hausfrau wird auf ein geringes Maß zurückgedrängt werden. Holzzerkleinern und Kohlenschleppen wird nicht mehr nötig sein. Elektrische Öfen, Ferngas, Fernheizwerke werden die Wohnungen behaglich erwärmen.

 Schon jetzt beginnt man in den großen Städten Fernheizwerke zu erbauen, die das Einzelheizen der Zimmer unnötig machen werden. Man braucht keine Kohlen mehr zu lagern, keine Asche mehr abzuführen. Einst werden die Städte durch atmosphärische Elektrizität oder durch neue Kräfte, die man vielleicht aus der Zertrümmerung der Atome gewinnt, mit Kraft versorgt. Dann fährt kein Kohlenzug, kein Kohlenschleppkahn mehr, denn die Kohle wird an Ort und Stelle der Gewinnung zu Öl, Gas und anderen Nebenprodukten umgearbeitet, dank den Erfindungen, die schon unsere Zeit in den ersten Ansätzen erlebte.

Hausbesitzer werden sich vielleicht im eigenen Haus eine besondere Kraftzentrale einrichten lassen, durch die sie Heizung und Licht gewinnen. Die Hausfrau braucht ja heute schon nicht mehr die Kaffeemühle zu drehen, Kartoffeln zu schälen, Staub aus den Teppichen zu klopfen oder Kleider mit der Handbürste zu reinigen, das alles und noch mehr leisten mit elektrischer Kraft arbeitende Kleinmaschinen.

Auch die Zubereitung der Speisen und Getränke ist einfacher geworden; wir haben Kochgeschirre, Kaffee- und Teemaschinen, die, sobald der elektrische Strom die Speisen und Getränke bis zu einem gewissen Grade zubereitet hat, selbsttätig ausschalten.

Auch unsere Wohnverhältnisse haben sich durchaus geändert. In Großstädten ist man immer mehr dazu übergegangen, in die Breite, statt wie bisher in die Höhe zu bauen; dadurch ist es möglich geworden, dem zunehmenden Verkehr ein weites Feld zu geben und vor allem die Wohnräume luftig und vom Straßengeräusch fern einzurichten. In diesen Wohnhäusern finden sich Festsäle zur Abhaltung von Familienfeierlichkeiten; Sportplätze und Sonnenbäder befinden sich auf breiten Dächern und Balkonen. Die unteren Etagen münden in Untergrundbahnstationen, Garagen (für Autos) sind in den unteren Stockwerken hergestellt und stehen den Hausbewohnern zur Verfügung.

Die Wohnungen selbst sind auf das erdenklich beste und praktischste eingerichtet. Die künstliche Beleuchtung der Räume wird dann der des Tageslichts entsprechen. Vielleicht werden wir in Zukunft unser Licht aus ganz neuen noch unentdeckten Stromquellen gewinnen, genau so, wie jetzt schon fast überall die Petroleum- und Gasbeleuchtung durch das elektrische Licht ersetzt ist.

Erfindungen haben es zuwege gebracht, dem künstlichen Lichte die in der Sonne enthaltenen ultravioletten Strahlen zu geben, die dann auch bei künstlicher Beleuchtung einen wohltuenden Einfluß auf unseren Körper ausüben. Längst hat man erkannt, daß das Glas unserer Fenster für den Aufenthalt in den Wohnungen von Nachteil ist. Unsere Wohnungen sind mit ihren gewöhnlichen Fensterscheiben bekanntlich uneinnehmbare Festungen für das ultraviolette Licht, das ja einen seltsamen fördernden Einfluß auf die Gesundheit hat, wie Sonnen- und Luftbäder beweisen.

Das Glas, aus dem noch heute unsere Fenster bestehen, läßt bloß einen Teil des Sonnenlichtes durch. Nur der sichtbare weiße Strahl dringt durch die Scheiben, das ultraviolette Licht bleibt zurück. Dem Glas gegenüber besitzt der Quarz die Eigenschaft, das ultraviolette Licht durchzulassen. Würde man also Bergkristall, der bekanntlich aus Quarz besteht, zu Fensterscheiben verarbeiten, so wären unsere Wohnzimmer auch für das ultraviolette Licht offen, und zugleich wäre damit ein wirksamer Kälteschutz gegeben, da Quarz ein schlechter Wärmeleiter ist. Dem biochemischen Institut der Universität in Maine (Vereinigte Staaten von Nordamerika) ist es schon vor kurzem gelungen, aus Bergkristall Scheiben in einer Dicke von einem Viertelmillimeter und in größeren Formaten herzustellen. Die Bedeutung ist für unser zukünftiges Wohnwesen von allergrößter Wichtigkeit.

Wie wird es einst in unseren heutigen Industriegegenden aussehen? Auch hier bestehen jetzt schon Ansätze, die auf zukünftige Entwicklung schließen lassen. Das Bild der dortigen Städte wird durchaus verändert sein. In den heute noch rauchgeschwärzten Gebieten wird kein Schornstein mehr qualmen. Die Luft wird klar und rein sein; grüne Anlagen werden einst das Leben in den jetzt noch von Rauch und Ruß umdüsterten Industriegeländen erfreulich machen, und die Menschen werden das der Elektrizität verdanken. Dampfkessel, Kohle und Dampf gehören der Vergangenheit an. Viele Maschinen werden nicht mehr die gigantische Größe von ehedem haben, und auf kleinen Raum beschränkt, aber komplizierter konstruiert, werden sie mit Elektrizität geräuschlos getrieben. In den Industriegebieten wird es keine Feuerstellen mehr geben. Die Hygiene wird in den einst rußigen und rauchigen Werkstätten triumphieren. Gießereien, Schmieden, Hochöfen und sonstige Feuerstellen sind jetzt verschwunden. Elektrische Kraft schmelzt Eise, formt Stahl und nietet Kessel.

Die Roheisenerzeugung auf elektrolytischem Wege, das heißt die Erzeugung des Eisens aus Erz mit Hilfe des elektrischen Stromes, wird bis dahin auf das höchste vervollkommnet sein; die Schmelzung des Eisens mittels Koks in großen Öfen wird man nicht mehr kennen. In Schweden bestehen schon elf Hochöfen, in denen im Jahre 1917 fünfundsiebzigtausend Tonnen Eisen auf elektrolytischem Wege hergestellt wurden. Nach den letzten Berichten der Weltkraftkonferenz wird in Amerika und Schweden Stahl auf diese Weise in großen Mengen erzeugt. Dasselbe gilt von den verschiedenen Metalllegierungen, von Eisen und Mangan, Eisen und Chrom, Eisen und Silizium.

Die Durchbildung der Metalllegierungen der letzten Jahre macht es dem Maschinenkonstrukteur möglich, Maschinenteilbeanspruchungen in seinen Berechnung einzustellen, die vor mehreren Jahren noch für unmöglich galten. Die Technik bleibt aber dabei nicht stehen. Schon heute ist die Frage akut, ob der Gebrauch von Stahl dauernd bleiben oder ob ein anderer Werkstoff, der aber die gleichen Eigenschaften haben muß, kommen wird. Beim Flugzeugbau war es notwendig, leicht zu bauen und leichtes und dabei festes Metall zu verwenden. Man begann zuerst mit Aluminium, das erst in den letzten Jahren durch das stabilere Duraluminium abgelöst wurde. Erfahrungen mit diesen Leichtmetallen beweisen, dass es für gewisse Zwecke dem besten Spezialstahl gleichzusetzen, ja in gewissem Sinne sogar überlegen ist. Die Leichtmetalle haben sich für den Bau von Flugzeugen und Luftschiffen als so wertvoll erwiesen, dass man wohl glauben darf, dass sie künftig auch für andere Verkehrsmittel, Eisenbahn und Auto, verwendet werden, vorausgesetzt, dass das Duraluminium seine Stellung behaupten kann, oder ob es durch neue, bessere Leichtmetalllegierungen verdrängt wird. Es wird allerdings viele Arbeit geleistet werden müssen, bis man den Ursachen, auf denen die Festigkeit verschiedener Stoffe beruht, näher gekommen ist. Unmöglich ist es nicht, dass eines Tages auch auf diesem Gebiete Überraschendes geschehen kann.

Wie wird es in unseren Städten aussehen? Ihr Mittelpunkt werden wohl die Industrien, Bahnhöfe und Flughäfen sein. Aus weiter Ferne werden die Menschen in kurzer Zeit in Flugzeugen oder Blitzzügen zu ihren Arbeitsstätten gebracht. Vielleicht spielt sich der Verkehr eines Tages fast ausschließlich unterirdisch ab. Große Tunnelsysteme werden die Städte durchschneiden, durch die in rasender Eile aus Leichtmetall gebaute Züge eingleisig oder an Hängeschienen fahren. Die Sicherheit des Verkehrs wird durch vervollkommnete Signaleinrichtungen auf den höchsten Stand gebracht sein. Das Klirren der elektrischen Straßenbahnen, das Rattern der Autos ist von den Gehstraßen verschwunden. Autos jagen durch besondere Kanäle ihren Zielen zu. Sie verpesten auch die Luft nicht mehr mit schädlichen Benzindämpfen. Elektrische Kraft, die aufgespeichert ist in dem mittlerweile erfundenen Lichtakkumulator, oder Wasser, das mittels Katalisatoren in Gase aufgeteilt wurde, die einen Explosionsmotor betreiben, werden die Autos bewegen. Vielleicht ist auch bis dahin die Übertragung von fördernden Kraftwellen möglich geworden.

Die Menschen werden nicht mehr in engen, ungesunden Mietskasernen wie heute wohnen. Die horizontal gebauten Häuser liegen frei. Hat man doch jetzt schon neue Stadtpläne entworfen, die darauf hinzielen, die Millionenstädte in kleinere Einzelheiten aufzulösen; ja, man denkt bereits daran, diese Abteilungen zu spezialisieren, die Gruppen einzuteilen in Fabrikstadt, Handelstadt, Kaufstadt, Bürostadt, und um diese Gebiete herum die Wohnstädte anzulegen. Die verbessere Verkehrsformen machen es möglich, in kurzer Zeit von einer zur anderen „Stadt“ zu gelangen.

Flugzeuge von ganz gewaltigen Ausmaßen, vielleicht zweistöckig, wie amerikanische Ingeneure schon voraussagen, ausgestattet mit Radiotelephon, mit dem man sich mit aller Welt verbinden lassen kann, und einer Stundengeschwindigkeit von sechshundert Kilometer, durchsausen die Stadt und bringen den Reisenden in gut ausgestatteten Kabinen von einem Erdteil zum anderen. Heute schon beschäftigt man sich mit Plänen, Flugzeuge zwanzigtausend Meter hoch steigen zu lassen. In dieser Höhe könnte wegen des verminderten Luftwiderstandes leicht eine Stundengeschwindigkeit von sechshundert Kilometer erreicht werden; man würde dann in etwa sieben Stunden nach Neuyork fliegen.

Künftig wird man mit dem elektrischen Fernseher das, was sich in der Welt ereignet, in öffentlichen Lokalen geschieht oder in den Häusern abspielt, sehen können. Elektrische Fernsehämter wird man einrichten, durch die man nach kurzem Anruf sich irgend einen Teil der Welt, ein Theater, eine Sportveranstaltung, ein Museum ansehen kann. Der Industrielle wird nicht mehr nötig haben, sich morgens in den Zug oder in ein Auto zu setzen, um persönlich mit seinem Geschäftsfreund zu verhandeln. Er wird ihn am Telephon auf einer weißen Mattscheibe sehen, seine Gesichtszüge beobachten können. Liebespaare, die durch Kontinente voneinander getrennt sind, werden sich jeden Morgen im Fernseher vor Augen stehen.

Zeitungen werden nicht mehr gedruckt. Holz wird knapp sein und Zeitungspapier deshalb teuer. Die Riesenauflagen der heutigen Weltblätter sind nicht mehr möglich. Aber die Verleger haben sich durch den elektrischen Fernseher längst geholfen, den sie an ihre Abonnenten verleihen. Ein kleines Pult, das eine Milchglasscheibe bedeckt, läßt durch diese die Zeitung erscheinen. Man liest auf der Scheibe das neueste vom Tag, Leitartikel und Feuilletons. Vielleicht sieht man auch bewegliche Bilder im Text, denn die drahtlose Übertragung von Bildern kannte man schon in unserer Zeit. Bibliotheken werden überflüssig, denn man kann sich durch Radioanruf mit der Fernsehbibliothek verbinden und irgend ein Buch einschalten lassen, wie man heute das gesprochene Wort in aller Welt überträgt.

Im Lauf der Zeit wird man auch dazu kommen, die heute noch notwendige Einfuhr von Lebensmitteln aus dem Ausland zu überwinden. Die Landwirtschaft wird sich allmählich amerikanischen Verhältnissen anpassen, wo das Zugtier auch in der Landwirtschaft verschwunden und an seiner Stelle der Traktor getreten ist, der seinen Antrieb durch leichte Automobilmotoren erhält. Diese Kulturarbeit ist billiger, ein weiteres Feld der Betätigung für die Industrie wird erschlossen, und größere Länderstrecken, die heute noch zum Anbau des Futters unserer Zugtiere gepflügt werden, können der menschlichen Ernährung dienstbar gemacht werden. Der Boden kann maschinell tiefer gepflügt werden, Ödländereien können schneller in fruchtbares Land umgewandelt werden. Die Düngung unserer Felder wird künftig vielleicht auf elektrischem Wege erfolgen.

Eine furchtbare Tragik lastet auf unserem Zeitalter, in dem die Maschine und die Technik als Moloch an den Kräften des Menschen zehrt, die mühsam aufgebaute Kultur zerbröckelt und das Menschengeschlecht durch soziale Probleme immer mehr zerrüttet. Aber trotz aller Erfindungen, Fortschritte und Verbesserungen des Lebens wird auch der Mensch in Zukunft seine Hände nicht in den Schoß legen dürfen. In jedes Menschen Brust lebt ein Sehnen nach Verbesserung, nach Umwandlung, das ihn dauernd zu neuen Taten und Erfolgen anspornt. Das alte Wort: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen“ wird das Menschengeschlecht begleiten bis an das Ende der Zeiten. Im Augenblick, wo der Mensch tatenlos alles den Maschinen überlassen würde, müßte auch er dahingehen; der Zerfall wäre damit besiegelt.

Muß es uns darum trotzdem nicht freudig bewegen wenn man sieht, wie sich im Erdenleben alles wandelt, wie all unser Streben danach gerichtet ist, das Los des Menschen durch Verbesserungen von Maschinen und Werkzeugen, durch Indienststellung neuer Energiequellen zu heben. Diese Freude ist groß, aber sie wäre schal, wenn wir durch die Herrschaft über die Naturkräfte den Geist des Menschen vergessen würden, der doch gewaltiger ist als die Materie, die zu beherrschen sich der Mensch in heißem Streben müht. Das innere Leben darf nicht versiegen, nur dann ist auch der Fortschritt gesichert. Denn die seelischen Errungenschaften, ohne sie kämen wir in ein Chaos und in einen Irrgarten, aus dem sich herauszufinden es der Menschheit eines Tages schwer fallen müßte.


Bibliothek der unterhaltung und des Wissens Jahrgang 1927 / Band 9 / Seite 77